Die mittlerweile in der Rochauer Heide etablierte Wolfspopulation schickt das Rotwild, um es einmal salopp auszudrücken, immer wieder quer durchs Land. Dazu kommt, dass sich aufgrund des erhöhten Beutegreiferdrucks Panikrudel mit großer Kopfzahl bilden, die dann wie Heuschreckenschwärme durch den Wald streifen und nachts in die Feldmark einfallen. Diese Situation macht die Bejagung des Wildes schwieriger, da oftmals der Zufall eine Rolle spielt und die Weidgenossen sich nur schwer darauf einstellen können. Werden die Äsungsflächen, Wechsel und Einstände im normalen Rhythmus frequentiert, hat alles seine Ordnung. Ist das Wild aber fast ständig unterwegs, mal hier mal dort, bleiben viele Ansitze oder Pirschen erfolglos. Und bei den Drückjagden kann es dann ebenso passieren, dass gar nichts im "Kessel" ist, weil die Tiere in anderen Gebieten umherstreifen. Die Treiben benötigen eine organisatorische Vorlaufzeit und niemand kann am Tage der Durchführung voraussehen, in welchem Revierteil sich das Wild bevorzugt aufhält. So sorgen die Grauen unter Umständen ungewollt dafür, dass mehr für sie übrig bleibt. Immerhin braucht ein Wolf ungefähr zwei Kilo Fleisch am Tag. Da nicht jeder seiner Beutezüge erfolgreich ist, muss er auch mal hungern. Aber pro Woche sollte man schon über den Daumen gepeilt mit einem Stück Schalenwild oder etwa 15 Kg Fleischmasse rechnen.
Es ist also sehr einfach, den Verbrauch übers Jahr zu bestimmen und einzuschätzen, wie die Wirkungen auf die Schalenwildbestände in Abhängigkeit von der Wolfsdichte in Zukunft sein werden.  Der Zuwachs des Beutegreifers ist auf Grund der gegenwärtig noch guten Ernährungssituation sehr hoch. Das zeigen die Wurfgrößen von 4 bis 8 Welpen oder mehr in Sachsen und Brandenburg. Als Fazit bleibt, dass langfristig bei Beibehaltung des Totalschutzes für die Grauhunde, eine nachhaltige Absenkung der Wildbestände eintritt.